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Verbundprojekt: Entwicklung eines Entscheidungshilfewerkzeugs beim Einsatz von Insektiziden gegen den Einbindigen (Eupoecilia ambiguella) und den Bekreuzten Traubenwickler (Lobesia botrana) im Weinbau im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (M-OVICARD - Moth Oviposition Cards) - Teilprojekt 1

Projekt


Förderkennzeichen: 2814701611, JKI-OW-08-1175
Laufzeit: 01.10.2013 - 28.02.2017
Fördersumme: 364.746 Euro
Forschungszweck: Angewandte Forschung

Für den integrierten Pflanzenschutz fehlt beim Einsatz gegen Traubenwickler ein geeignetes Entscheidungshilfewerkzeug, sodass Insektizide in der Regel prophylaktisch eingesetzt werden müssen. Das vorliegende Projekt hat als Ziel, ein solches Werkzeug zu schaffen. Hierzu sollen bei beiden Traubenwicklerarten die zur Eiablage notwendigen taktilen und chemischen Schlüsselreize erforscht werden. Sobald die Eiablage-auslösenden Substanzen und Strukturen bekannt sind, soll das von der Firma Innovative Care Systems (ICS) entwickelte System der Peel-Cards genutzt werden, um vor diesem Hintergrund Eiablage-Monitoring-Kärtchen (MOviCards) zu entwickeln. Dabei wird die Eigenschaft der mit Geruchsstoffen beladbaren Peel-Cards genutzt, flüchtige Infochemikalien in definierter Konzentration langanhaltend abzugeben. Gleichzeitig kann die Oberflächenstruktur dieser Peel-Cards manipuliert werden, um möglichen taktilen Schlüsselreizen der Traubenwickler gerecht zu werden. Ziel ist es, Kärtchen zu produzieren, die für Traubenwickler ein hochattraktives Eiablagesubstrat darstellen. Der Indikatorwert solcher leicht auf Eibesatz kontrollierbaren Kärtchen im Vergleich zur Eiablagebonitur auf den Reben könnte anschließend in Käfig- und Freilandversuchen ermittelt werden und so die Beratungsaussage optimiert werden. Der Einbindige Traubenwickler (Eupoecilia ambiguella) als auch der Bekreuzte Traubenwickler (Lobesia botrana) (Lepidoptera: Tortricidae) zählen zu den wichtigsten tierischen Schaderregern im deutschen Weinbau. Die Larven ernähren sich von Blütenknospen und Früchten, jedoch wird der wirtschaftliche Schaden vor allem durch die sekundäre Infektion mit Bakterien und Pilzen wie Botrytis cinerea (Grauschimmelfäule) verursacht, welche zu einem Verlust der Weinqualität führen kann. Neben dem Einsatz von Pheromonen, welche auf 60 % der deutschen Anbauflächen angewandt werden, müssen in 40 % der Fälle gegebenenfalls Insektizide appliziert werden. Zugelassen sind jedoch nur jene, welche im Eistadium oder bei frisch geschlüpften Larven die bestmöglichste Wirksamkeit erzielen. Der Terminierung der Anwendung richtet sich nach dem Falterflug der Männchen, eine Methode, aus der sich keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Befall ergeben. Der Flug ist lediglich ein Indiz für die Suchaktivität der Männchen nach paarungsbereiten Weibchen, wohingegen die Eiablage der Weibchen stark von der Witterung beeinflusst wird. Diese Methode kann nicht ermessen, inwiefern eine Bekämpfung notwendig ist, sodass die Insektizid-Behandlung meist präventiv erfolgt. Im Sinne des Integrierten Pflanzenschutzes müssten Winzer, um Schadschwellen zu ermitteln, Eibonituren im Bestand durchführen. Aufgrund der schwachen Erkennbarkeit der Eier auf der Beere ist dies ein nicht praktikabel. Als Entscheidungshilfe für eine Insektizid-Applikation soll ein Werkzeug, die M-OVICARD, geschaffen werden, welche diesen Vorgang für den Winzer erleichtert. Seit Beginn des Projektes haben sich Fortschritte bezüglich des Eiablage-Monitoring-Kärtchens ergeben (M-OVICARD). Im vorletzten Versuchsjahr wurden am JKI Kunststoffoberflächen mit Prägung gefunden, welche eine attraktive Eiablageoberfläche bieten (haptisches Signal, beteiligt an der Eiablageentscheidung). Es konnten Substanzen aus dem Duftstoffbouquet der Rebe detektiert und in synthetischer Form beschafft werden. Mit diesen soll es möglich sein, ein attraktives Duftstoffgemisch herzustellen, welches die Wirtsakzeptanz der M-OVICARD für den Traubenwickler zur Eiablage steigert (olfaktorische Signale, beteiligt an Fern- und Nahanlockung). Verhaltensbiotests konnten entwickelt werden, welche sowohl die Wahrnehmbarkeit der Substanzen mittels EAG (Elektroantennographie) als auch die Induktion der Eiablage überprüfbar machen. Im Jahr 2015/2016 wurden erste Duftstoff-Dispenser-Kärtchen entwickelt und geprüft. In einem Alterungsversuch wurde die Eiablage als auch die Duftstoffabgabe im zeitlichen Verlauf evaluiert, um optimale Verhältnisse der Einzelsubstanzen im Gemisch zu gewährleisten. Die Auswahl der Duftstoffe erfolgte einerseits anhand bekannter Literaturdaten und umfasste andererseits auch Duftstoffe, die im Rahmen des Projekts im Rebenduft nachgewiesen und identifiziert werden konnten. Duftstoffe, die eine positive Wirkung auf die Eiablage zeigten, wurden auch hinsichtlich ihrer Rezeption durch Antennenrezeptoren der Zielorganismen untersucht (EAG). Zusätzlich wurden diese Kärtchen mit verschiedenen Mengen von Einzelkomponenten beladen und deren Abgaberaten über Gaschromatographie und Massenspektrometrie bestimmt.

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